Junges Ensemble Berlin I Sinfonieorchester
Marco Heise, Orgel
Michael Riedel, Leitung
Lili Boulanger
D’un matin de printemps
César Franck
Le Chasseur maudit
Camille Saint-Saëns
Symphonie Nr. 3 c-Moll op. 78 »Orgelsymphonie«
Junges Ensemble Berlin // Fin de Siècle // 15.06.2025 // 15:30 Philharmonie Berlin
Endzeitstimmung. Ein periodisch auftretender Gedanke, der gerade wieder viel en vogue ist.
Und es ist keine 120 Jahre her, da wurde eine ganze Epoche so benannt: Fin de siècle. Nicht
nur das Ende des Jahrhunderts, auch das Ende der Kunst, Natur, Zivilisation, ja sogar der
Welt.
Unser musikalischer Ausflug in die dritte Republik Frankreichs mit dem Titel „Fin de Siécle“
ist alles andere als Untergang. Er ist Aufbruch.
Es beginnt mit einer Morgenstimmung, ursprünglich ein Stück für Violine und Klavier von
Lili Boulanger und von ihr selbst für Orchester arrangiert: d’un matin de printemps. Der
Morgen bei ihr ist flirrend, Sonnenstrahlen brechen durch das farbenfrohe Orchester. Kein
verpennter Montagmorgen ohne Kaffee, keine Morgenstimmung à la Grieg. Ein
Sonntagmorgen mit Frische.
Die Jagd fällt im Anschluss nicht schwer, César Francks Le Chausser maudit ist eine
verspielte und bewegte Vertonung einer Jagderzählung im Stile der romantiesierenden
Naturvorstellung inklusive kleiner Gruselpassagen. Die Musik ist wagnerisch beladen und
klingt im Gegensatz zu Boulanger nicht impressiontistisch elegant französisch, sondern
orientiert sich an Operntonsprache und dramatischem Ausdruck.
In der zweiten Hälfte des Konzerts erweitern wir unser Orchester um die Königin der
Instrumente: die Orgel. Camille Saint-Saens schrieb seine sogenannte „Orgelsinfonie“ zur
gleichen Zeit wie sein bekanntestes Werk, den Karneval der Tiere, und ab und zu zitiert er
sich selbst, denn nebst Orgel kommt auch Klavier vierhändig hinzu. Allerdings nehmen diese
für Orchester ungewöhnlichen Instrumente keine konzertante Solorollen ein, nein, sie
integrieren sich in den Orchesterklang und sind ein vollwertiges Ensemblemitglied. Die
Klangfarben sind sogar teilweise so ineinander verwoben und gekonnt „versteckt“, dass sie
zwar nicht unbemerkt, aber zunächst dezent das Klangspekturm erweitern.
Am Ende der Zeit steht ein schmissiges und kurzweiliges Programm.
27/22€ | 21/16€ | 15/10€