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Vortrag von Prof. Michael Zywietz: „Wie der Vater so der Sohn?“

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Vortrag von Prof. Michael Zywietz: „Wie der Vater so der Sohn?“


Es ist ein Phänomen, dass die Musik Richard Wagners ein schwules Publikum so extrem anzieht. Zwei von Wagners frühestens Bewunderern waren König Ludwig II. und Friedrich Nietzsche. Bereits 1873 veröffentlicht Dr. Th. Puschmann Richard Wagner: Eine psychiatrische Studie und meint, der Komponist sei „psychisch nicht mehr normal“ wegen seines Interesses an „Männerliebe“. 1895 beschreibt Oskar Panizza in Bayreuth und Homosexualität den Parsifal als „Ersatzbefriedigung für Päderasten“. Der italienische Kriminologe Cesare Lombroso nennt Wagner 1897 in Genio e degenrazione „un psicopatico sessuale“. Walter Pater – Lehrer von Oscar Wilde – schreibt 1877 über den Tannhäuser-Mythos.

Wobei Tannhäuser als Geschichte zwischen Sinnestaumel im Venusberg und keuscher Ritterwelt von Homosexuellen gern als Metapher auf ihr eigenes Leben interpretiert wurde. Auch von Oscar Wilde in Das Bildnis des Dorian Gray (1890/91). Ein berühmter späterer schwuler Wagnerianer war Thomas Mann, dessen Tod in Venedig von Wagners Tod in Venedig inspiriert ist. Auch in der Neuzeit haben sich schwule Künstler wie Craig P. Russell oder Barrie Kosky wiederholt mit Wagner auseinandergesetzt.

Seltsamerweise hat Siegfried Wagner mit seinen Bühnenwerken keine vergleichbare schwule Fangemeinde aufbauen können, obwohl seine stark autobiografischen Opern einem schwulen Publikum viele Identifikationsmöglichkeiten bieten.

Prof. Michael Zywietz lehrt seit 2005 an der Hochschule für Künste Bremen und hat dort 2016 die Tagung „Homosexualität und Musik“ veranstaltet. Dabei hielt er einen Vortrag über die Schwierigkeiten, die die „heterosexuelle“ Musikwissenschaft in Deutschland mit Forschungsprojekten zu schwul-lesbischen Aspekten hat – besonders wenn es dabei „ums Eingemachte“ und um „die Fleischtöpfe“ geht, nämlich die großen Klassiker Händel, Schubert, Wagner usw. Denn dann macht sich Panik breit und beginnen die Verteilungskämpfe, weil viele fürchten, die „Schwulen-Lobby“ könnte die entsprechenden Komponisten ausschließlich für sich reklamieren und Gelder von öffentlichen Förderern würden dann nur noch in „Gay and Lesbian Studies“ fließen – oder noch ‚schlimmer‘, in „Queer Studies“.

Seinen ausgesprochen persönlichen, emotionalen und grundsätzlichen Vortrag aus Bremen wird Professor Zywietz in Berlin wiederholen und anschließend im Rahmen der Ausstellung „Siegfried Wagner: Bayreuths Erbe aus andersfarbiger Kiste“ zur Diskussion einladen, wie es heute um die Forschung hierzulade in Bezug auf Wagner – Siegfried und Richard bestellt ist.

http://www.hfk-bremen.de/en/profiles/n/michael-zywietz



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